Carl Philipp Emanuel Bach, Poco andante F-dur
(Nach dem 2. Satz des Cembalokonzerts d-moll Wq. 23)
Das Konzert für Cembalo und Streichorchester
d-moll von Carl Philipp Emanuel Bach (Wq. 23) kann geradezu als Musterbeispiel
für die heute oft als „Sturm und Drang“ bezeichnete kurze Periode gelten, in der
unter anderen J.S.Bachs Söhne eine geradezu revolutionäre Erneuerung der
musikalischen Stils versuchten. Schon der Anfang des Satzes, der hier für eine
kleine, klanglich ausgewählte Besetzung vorgelegt wird, setzt ganz auf
Irritation: Harmonisch gleichsam im Bodenlosen schwebend, verweilt zunächst ein
ganzer Takt wie ein übermäßig lang gezogener Auftakt im Dominantseptakkord zu
C-Dur. Nach diesem werden mehrere Tonarten wie unentschlossen durchschritten,
bevor erst im 13. Takt die Zieltonart F-dur dauerhaft erreicht und als
Grundtonart des Satzes erkenntlich wird. Schwärmerische, endlose Melodiebögen
folgen, immer wieder verstörend gebrochen von heftigen, rhythmisch wie
harmonisch schroffen Einwürfen. Erst am Schluss stellen sich Ruhe und Versöhnung
ein. Unsere aus der musikalischen Praxis entstandene Bearbeitung erlaubt, mit
den geringen Mitteln der Hausmusik ein großes Stück Musikgeschichte zu
erschließen.