Franz Schubert, Sinfonie
Nr. 5 B-dur D759
Eine
Schubert-Sinfonie für Bläserquintett einzurichten, geht das nicht zu weit? Die
Bedenken mögen berechtigt sein – mit einer interessanten Ausnahme: eben der hier
vorliegenden Fünften. Diese nimmt eine deutliche Sonderstellung unter Schuberts
sinfonischen Werken ein. Ihre ungewöhnlich anrührende Wirkung beruht nicht auf
aufwändiger Instrumentierung oder besonderer orchestraler Klanggewalt, sondern
auf ihrem Reichtum an einfachen, aber überraschenden Nuancierungen und zarten
Zwischentönen, auf ihrem klaren Ausdruck.
Hier gelingt es dem jungen, gerade erst 19jährigen Komponisten zum ersten Mal,
seinen originellen sinfonischen Tonfall, den er zuvor schon in vier respektablen
Orchesterwerken mit unerschöpflichem Einfallsreichtum entwikkelt und erprobt
hatte, zu einer stilistisch reinen, in sich geschlossenen, auf ihre Weise
perfekten Komposition zu verdichten. Er erreicht das durch Beschränkung auf
allereinfachste Mittel. Die technischen Ansprüche an das Orchester sind nicht
sonderlich hoch, die Besetzung ist bescheiden, der Bläserapparat fast
kammermusikalisch behandelt. Um so mehr wird, da alles Ablenkende fehlt, die
Aufmerksamkeit des Zuhörers auf das eigentlich Schubertsche in der Musik
konzentriert, auf seinen ganz eigenen Ausdruck, der auf der ausgeprägten
Fähigkeit beruht, im scheinbar Gewohnten immer wieder ungeahnt Neues aufklingen
zu lassen.
Kleinste Veränderungen der Klangfarben, auch in der Originalbesetzung mit nur
wenigen Instrumenten dargestellt, erzielen größte Wirkungen. Überraschende
Modulationen und Rückungen, zu Schuberts Zeit neu, wirken bis heute ungewohnt
reizvoll und sind in der Literatur für Bläserquintette, die zwischen Danzi und
Reicha einerseits und der Moderne andererseits eine größere Lücke aufweist,
nicht oft zu finden. Auch ein engagiertes Laienensemble kann dieses Stück
bewältigen und so eine neue musikalische Epoche für sich erschließen.
Schubert selbst hat im Familien- und Bekanntenkreis ganze Haydn-Sinfonien im
doppelten Streichquartett musiziert, um sich auf diese Weise mit dem Erbe des
großen Meisters vertraut zu machen. Er hätte also wohl kaum etwas einzuwenden
gehabt, dass auch seine Sinfonie in kleinster Besetzung widergegeben wird, sei
es, um sie besser kennen und verstehen zu lernen, sei es, um dieses noch immer
selten gespielte Werk einem interessierten Publikum näher zu bringen.